Eine Aufbissschiene kann Zähne und Zahnersatz vor den Folgen von Zähneknirschen und Zähnepressen schützen. Sie wird individuell an das Gebiss angepasst und kann je nach Befund auch zur Entlastung des Kausystems eingesetzt werden.
Was ist eine Aufbissschiene?
Eine Aufbissschiene ist eine individuell angefertigte Zahnschiene, die auf den Zähnen des Ober- oder Unterkiefers getragen wird. In der Zahnmedizin wird sie häufig als Okklusionsschiene bezeichnet. Je nach Ausführung, Material und Behandlungsziel kann eine Schiene unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Besonders häufig kommen Aufbissschienen bei Bruxismus, also beim unbewussten Zähneknirschen oder Zähnepressen, zum Einsatz. Dabei wirken teilweise erhebliche Kräfte auf Zähne, Zahnhalteapparat, Kaumuskulatur und Kiefergelenke. Eine individuell angepasste Schiene kann dabei helfen, die Zähne während des Schlafs vor mechanischer Belastung zu schützen. Nach der aktuellen S3-Leitlinie zu Bruxismus können Schienen außerdem vorübergehend zur Reduktion der Bruxismusaktivität eingesetzt werden.
Wichtig ist allerdings: Eine Aufbissschiene beseitigt nicht automatisch die Ursache des Zähneknirschens. Bruxismus wird heute als komplexes Geschehen verstanden, an dem unter anderem zentrale, psychosoziale und schlafbezogene Faktoren beteiligt sein können. Die Zahnstellung beziehungsweise ein „falscher Biss“ gilt nach aktuellem Wissensstand nicht als alleinige Ursache von Bruxismus.
Wann und warum wird eine Aufbissschiene eingesetzt?
Eine Aufbissschiene kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn eine erhöhte Belastung der Zähne oder Beschwerden des Kausystems festgestellt werden. Ein häufiger Anlass ist nächtlicher Schlafbruxismus.
Typische Anzeichen für eine ausgeprägte Bruxismusaktivität können beispielsweise sein:
- auffälliger Zahnabrieb
- Risse oder Schäden an der Zahnhartsubstanz
- verspannte oder schmerzhafte Kaumuskeln
- Beschwerden im Bereich der Schläfen
- Kiefergelenksbeschwerden
- eingeschränkte Mundöffnung
- Beschwerden nach dem Aufwachen
- häufige Schäden oder Verschleiß an Füllungen und Zahnersatz
Die aktuelle S3-Leitlinie nennt unter anderem nichtkariöse Zahnhartsubstanzverluste, Kaumuskelbeschwerden, Zahnschmerzen und Kopfschmerzen als mögliche gesundheitliche Folgen von Bruxismus.
Eine Schiene kann in diesem Zusammenhang vor allem eine Schutzfunktion übernehmen. Während des Schlafs verhindert sie den direkten Kontakt bestimmter Zahnflächen und kann dadurch helfen, die Zähne und gegebenenfalls den Zahnersatz vor weiterer mechanischer Belastung zu schützen. Die Leitlinie bewertet die Evidenz für diesen Schutz zwar als begrenzt, spricht aber grundsätzlich dafür, Schienen im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung von Schlafbruxismus einzusetzen.
Wie funktioniert eine Aufbissschiene?
Die Funktionsweise hängt von der jeweiligen Schienenart ab. Bei einer klassischen Okklusionsschiene bildet die Schiene eine kontrollierte Kontaktfläche zwischen Ober- und Unterkiefer. Dadurch verändert sich der direkte Zahnkontakt während des Tragens.
Bei Bruxismus steht dabei insbesondere der Schutz der Zahnhartsubstanz im Vordergrund. Eine Aufbissschiene kann die Zähne voneinander trennen und dadurch den direkten Kontakt beim Knirschen reduzieren.
Darüber hinaus können bestimmte Schienen bei Patient mit Beschwerden des Kausystems dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren oder die Beweglichkeit des Unterkiefers zu verbessern. Die S2k-Leitlinie zu Okklusionsschienen beschreibt entsprechende mögliche Effekte, weist jedoch darauf hin, dass die Wirkung vom jeweiligen Beschwerdebild und von der verwendeten Schiene abhängt.
Eine Schiene sollte deshalb nicht einfach nach einem allgemeinen Standard ausgewählt werden. Entscheidend sind unter anderem der Zahnstatus, vorhandener Zahnersatz, das Beschwerdebild und das individuelle Behandlungsziel.
Wie wird eine Aufbissschiene angefertigt?
Am Beginn steht eine ausführliche zahnärztliche Untersuchung. Dabei werden die Zähne, die Kaumuskulatur, die Kiefergelenke und die vorhandenen Beschwerden beurteilt. Auch Hinweise auf Bruxismus wie Zahnabrieb oder Risse im Zahnschmelz können dabei berücksichtigt werden.
Anschließend wird die individuelle Situation erfasst. Je nach Verfahren können hierfür beispielsweise Abformungen oder digitale Aufnahmen des Gebisses verwendet werden. Auf dieser Grundlage wird die Schiene individuell gefertigt.
Nach der Herstellung wird die Aufbissschiene in der Zahnarztpraxis angepasst. Dabei ist wichtig, dass sie stabil sitzt und die Zahnkontakte kontrolliert eingestellt werden. Eine schlecht sitzende oder ungeeignete Schiene kann Beschwerden verursachen und sollte deshalb nicht ohne zahnärztliche Kontrolle verwendet werden.
Bei einer längeren Tragedauer empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie harte Schienen, die alle Zähne des schienentragenden Kiefers abdecken und eine entsprechende Abstützung gegenüber dem Gegenkiefer gewährleisten.
Wie lange muss man eine Aufbissschiene tragen?
Wie lange und zu welchen Zeiten eine Aufbissschiene getragen werden sollte, hängt vom individuellen Befund ab. Bei nächtlichem Zähneknirschen wird sie häufig während des Schlafs eingesetzt.
Eine pauschale Empfehlung für jede Patientin und jeden Patienten gibt es jedoch nicht. Die Tragedauer sollte gemeinsam mit der behandelnden Zahnärztin oder dem behandelnden Zahnarzt festgelegt und bei Bedarf angepasst werden.
Bei längerem Einsatz sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. Dabei kann überprüft werden, ob die Schiene noch korrekt sitzt, ob sich der Zahnstatus verändert hat und ob weiterhin ein sinnvoller therapeutischer Nutzen besteht.
Welche Vorteile hat eine Aufbissschiene?
Der wichtigste Vorteil einer Aufbissschiene liegt bei Bruxismus häufig im Schutz der Zähne und des Zahnersatzes. Sie kann dazu beitragen, den direkten Zahnkontakt während des Tragens zu reduzieren.
Weitere mögliche Vorteile sind:
- Schutz vor weiterem mechanischem Zahnabrieb
- Schutz vorhandener Restaurationen und Zahnersatzes
- mögliche Reduktion von Beschwerden im Bereich der Kaumuskulatur
- mögliche Verbesserung der schmerzfreien Unterkieferbeweglichkeit
- einfache und reversible Anwendung
Die aktuelle S2k-Leitlinie berichtet, dass Okklusionsschienen bei bestimmten Patient Schmerzen lindern und die schmerzfreie Beweglichkeit des Unterkiefers verbessern können.
Gleichzeitig sollte eine Aufbissschiene nicht als universelle Lösung für jede Form von Kiefer- oder Gesichtsschmerzen verstanden werden. Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend, um die passende Behandlung auszuwählen.
Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?
Auch eine medizinisch sinnvolle Aufbissschiene kann zu Beginn ungewohnt sein. Möglich sind beispielsweise ein vermehrter Speichelfluss oder vorübergehende Missempfindungen. In einzelnen Fällen können auch Druckstellen oder Beschwerden im Bereich der Kaumuskulatur auftreten.
Die Leitlinien weisen außerdem darauf hin, dass weiche Schienen bei Bruxismus nicht grundsätzlich empfohlen werden, da sie die Muskelaktivität unter Umständen verstärken und dadurch CMD-Beschwerden hervorrufen können. Bei längerer Anwendung werden harte Schienen bevorzugt.
Treten nach Beginn des Tragens Schmerzen, Druckgefühl, Veränderungen des Bisses oder andere Beschwerden auf, sollte die Schiene zahnärztlich kontrolliert werden. Häufig kann bereits eine Anpassung der Schiene Abhilfe schaffen.
Aufbissschiene und CMD
Der Begriff CMD, also craniomandibuläre Dysfunktion, umfasst verschiedene Beschwerden und Funktionsstörungen im Zusammenspiel von Kiefergelenken, Kaumuskulatur und Kieferbewegungen.
Eine Aufbissschiene kann bei bestimmten CMD-Beschwerden Teil eines umfassenderen Behandlungskonzepts sein. Sie sollte jedoch nicht automatisch als alleinige Therapie eingesetzt werden. Je nach Ursache und Beschwerden können zusätzlich beispielsweise Physiotherapie, Verhaltensempfehlungen oder andere Maßnahmen sinnvoll sein.
Auch bei CMD gilt deshalb: Entscheidend ist eine individuelle Diagnostik und nicht allein das Vorhandensein einer Schiene.
Unterschied zwischen Aufbissschiene und Aligner
Aufbissschienen und Aligner bestehen zwar beide aus Kunststoff und werden auf den Zähnen getragen, verfolgen aber völlig unterschiedliche Ziele.
Eine Aufbissschiene wird beispielsweise zum Schutz vor Bruxismus oder im Rahmen einer funktionellen Behandlung eingesetzt. Aligner hingegen dienen der schrittweisen Korrektur von Zahnfehlstellungen.
Die Zahnarztpraxis am Schottenring bietet moderne Schienenbehandlungen im Bereich der Kieferorthopädie und arbeitet unter anderem mit digitaler Planung und 3D-Scans. Eine Aligner-Schiene ist jedoch nicht mit einer Aufbissschiene gleichzusetzen.
Wie reinigt und pflegt man eine Aufbissschiene?
Eine Aufbissschiene sollte regelmäßig gereinigt werden. Nach dem Tragen kann sie unter lauwarmem Wasser abgespült und mit einer weichen Zahnbürste gereinigt werden. Aggressive Reinigungsmittel oder sehr heißes Wasser sollten vermieden werden, da sie das Material beschädigen oder verformen können.
Auch die Aufbewahrung spielt eine Rolle. Außerhalb der Tragezeit sollte die Schiene in einem geeigneten Behälter aufbewahrt werden. Wichtig ist außerdem, die Schiene regelmäßig auf Risse, Veränderungen oder eine veränderte Passform kontrollieren zu lassen.
Bei sichtbaren Schäden oder wenn die Schiene plötzlich nicht mehr richtig sitzt, sollte sie nicht einfach weitergetragen, sondern in der Zahnarztpraxis überprüft werden.
Häufige Fragen zur Aufbissschiene
Hilft eine Aufbissschiene gegen Zähneknirschen?
Eine Aufbissschiene kann bei Bruxismus vor allem dazu beitragen, die Zähne und gegebenenfalls den Zahnersatz während des Tragens zu schützen. Nach aktueller Leitlinie kann sie außerdem vorübergehend zur Reduktion der Bruxismusaktivität eingesetzt werden. Sie beseitigt jedoch nicht zwangsläufig die Ursachen des Bruxismus.
Muss ich eine Aufbissschiene jede Nacht tragen?
Das hängt vom individuellen Befund und vom Behandlungsziel ab. Bei nächtlichem Bruxismus wird eine Schiene häufig während des Schlafs getragen. Die konkrete Tragedauer sollte jedoch individuell zahnärztlich festgelegt werden.
Kann eine Aufbissschiene Schmerzen im Kiefer reduzieren?
Bei bestimmten Beschwerden kann eine Okklusionsschiene Schmerzen lindern und die schmerzfreie Beweglichkeit des Unterkiefers verbessern. Die Wirkung ist jedoch von der Ursache und vom jeweiligen Schienentyp abhängig.
Was ist der Unterschied zwischen einer Aufbissschiene und einer Knirschschiene?
Die Begriffe werden im Alltag häufig synonym verwendet. Eine sogenannte Knirschschiene ist in der Regel eine Aufbiss- beziehungsweise Okklusionsschiene, die insbesondere zum Schutz vor den Folgen des Zähneknirschens eingesetzt wird.
Kann eine Aufbissschiene meinen Zahnschmelz schützen?
Ja. Eine Aufbissschiene kann den direkten Kontakt zwischen den Zähnen während des Tragens reduzieren und dadurch dazu beitragen, die mechanische Belastung der Zahnhartsubstanz zu verringern. Der Schutz ist insbesondere bei ausgeprägtem Bruxismus relevant.
Sollte eine Aufbissschiene regelmäßig kontrolliert werden?
Ja. Regelmäßige Kontrollen sind sinnvoll, um Sitz, Zustand und Funktion der Schiene zu überprüfen. Auch Veränderungen am Gebiss oder Beschwerden können dabei frühzeitig erkannt werden.
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